Jakobsweg

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[…] Nur ein paar Stunden des Weges, da sehe ich direkt vor meinem Wagen eine Schraube kullern. Ich kenne diese Schraube, denke ich, bevor sich auch der Rest der Vorderachse in seine Bestandteile auflöst. Sie ist gebrochen.

Ich habe keine Kraft, mich darüber zu ärgern. Also baue ich den Wagen kurzerhand um. Zum Glück habe ich die beiden Stangen zum Ziehen vor ein paar Tagen – ich war kurz davor – nicht zurück gelassen. Denn es stellt sich heraus, dass es in den Bergen wesentlich angenehmer ist, den Wagen zu ziehen, anstatt zu schieben. Ich werde die Achse demnächst irgendwo reparieren, sobald ich ein passendes Ersatzteil bekomme.

Ich habe schon nach wenigen Kilometern keine Lust mehr. Diese Gegend gefällt mir. Über urige Wege durch Berg und Tal gelange ich nach Ondarolle. Dort schlafe in einer Turnhalle, die In der Nacht nicht abgeschlossen ist. Niemand bemerkt mich dort, denn ich bin am nächsten Morgen schon früh auf den Beinen. Und ich werde mich an diesem Tag an neue Grenzen des wanderbaren heran tasten.

Es geht ausschließlich bergauf, gnadenlos. Nicht zwischendurch mal kurz wieder runter – nein, im Gegenteil, es wird immer steiler. Und der Wind nimmt ständig zu. Ich bin schon froh, dass ich die Nationalstraße über den Berg genommen habe, denn andere Pilger erzählen mir später, dass es wahrscheinlich unmöglich sei, mit meinem Karren den traditionellen Weg zu gehen.

So erzählt mir ein junger Pilger aus Frankreich namens Jean-Baptiste, dass er zu spät zur ersten Etappe gestartet ist und die Dunkelheit schon herein brach, als er noch nicht einmal die Hälfte der Tagesetappe hinter sich hatte. Er hat knapp drei Tage gebraucht, in denen er sich immer wieder verlaufen hat – ohne Wasser und Brot. Irgendwann, so sagt er, hat er einen kleinen Gebirgsbach gefunden und ist einfach hinein gesprungen. Er hat in der Dunkelheit, so weiß er jetzt, Wege genommen, von denen unerfahrenen Wanderern wegen Absturzgefahr dringend abgeraten wird. Er hat es überlebt. Erfahrene Wanderer, die diese Strecke kennen, halten das durchaus nicht für selbstverständlich. […]

Fotos dieser Etappe

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