Spaniens Südküste

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[…] In Estepona wähle ich für ein windgeschütztes Nachtlager die Terrasse dreier geschlossener Strandhütten (ich glaube, es sind Duschen oder Toiletten), die wie ein zum Meer offenes Quadrat aufgestellt sind. Direkt daneben steht eine überaus kunstvoll aus Sand gefertigte Pyramide und andere beeindruckende Skulpturen nebst dem provisorischen Lager eines Obdachlosen, der sich mit dieser Kunst über Wasser hält. Er ist nicht zugegen als ich meinen Schlafsack ausbreite.

Als ich gerade meine Unterwäsche wechsele und nackt dastehe, poltert ein Jugendlicher auf die hölzerne Terrasse. „Holá! Trinkst ein Bier mit?“

Mit der frischen Unterhose in der Hand sage ich zu. „Äh, klar.“ Während ich mich wieder anziehe, biete ich ihm einen Sitzplatz auf der Isomatte an und er öffnet die Flasche. Ich setze mich dazu und wir unterhalten uns und trinken Bier. Nach einer halben Stunde wünscht er mir eine gute Weiterreise und verabschiedet sich wieder.

Gegen zwei Uhr in der Nacht, ich schlafe schon einige Stunden, poltert der Sandburgenkünstler auf die Holzbretter. Ich bin augenblicklich wieder wach und schaue aus dem gesichtsgroßen Guckloch meines Schlafsackes einen aufgebrachten Mann an, der mit einem Stock in der Hand den Eindruck macht als wolle er mich jetzt verprügeln. „Was willst du hier? Willst du mich beklauen? Willst du mir mein Geld wegnehmen?“

Ich werde etwas nervös. „Was? Nein, ich will dein Geld nicht. Ich will hier nur schlafen. Morgen bin ich wieder weg.“

„Du klaust mir mein Geld nicht! Das ist mein Geld! Das ist meine Arbeit! Ich bin ein guter Mann! Verschwinde, sonst hole ich die Polizei!“ Er erhebt den Prügel gegen mich.

Ich kann nicht glauben, was ich da gerade erlebe, deshalb brauche ich ein paar Sekunden um das zu kapieren. Ich möchte mich um Vertrauen zu erwecken dem Mann vorstellen. Dazu stehe ich auf und reiche dem Mann meine Hand. Er weicht zurück und erhebt den Prügel abermals. „Ist ja schon gut, ich werde packen.“

Während ich meinen Schlafsack zusammen rolle, ein Auge immer am Hinterkopf um zu sehen was passiert, wird der Mann ruhiger. „Für eine Nacht?“ fragt er spürbar entspannter. „Na gut. Du kannst bleiben.

Verwundert über seinen plötzlichen Sinneswandel rolle ich ungläubig den Schlafsack wieder aus. Dabei beäuge ich ihn skeptisch. Ich starte einen neuen Versuch. „Mein Name ist Sascha.“

„Ich bin Toni.“, diesmal streckt er die Hand aus, mit gerunzelter Stirn. „Aber du klaust mir nicht mein Geld!“ Wir geben uns die Hand und ich lege mich wieder hin.

Fast bin ich wieder eingeschlafen, da kommt Toni wieder. Er hat eine riesige, schwere Decke dabei und packt mich wie eine besorgte Mutter, aber wortlos in die Decke ein. Ich bedanke mich von Herzen und spüre sofort, dass die Decke wunderbar warm ist, denn es ist überaus windig in dieser Nacht. […]

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