Südfrankreich

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[…] Am nächsten Morgen werde ich von Thierry abgeholt und ich soll einen Schlafsack und was zum Baden im Meer mitnehmen. Wir fahren mit seinem Kumpel, der ein kleines Segelboot mit Kajüte sein Eigen nennt, zum Bassin d’Arcachon, einer berühmten Bucht westlich von Bordeaux. Dort liegt das Boot. Es ist eine sehr touristische Gegend, aber da die Hauptsaison vorbei ist, ist es hier sehr ruhig.

Ich bin aufgeregt. Ich war noch nie auf einem Segelboot. Und jetzt soll ich werde ich sogar lernen, es zu steuern. Thierrys Freund erklärt mir alles, selbst wie die Knoten heißen, die er macht. Und es vergeht keine halbe Stunde, da fragt er: „Kannst mal eben das Ruder halten…?“. Schon steuere ich das Boot. Erstmal nur geradeaus. Irgendwann werfen wir den Anker und die beiden Gastgeber ziehen ihre Tauchanzüge über. Mit der Harpune gehen sie auf die Jagd nach unserem Abendessen.

Es gibt Miesmuscheln und Riesenkrabben zu Abend. Frisch aus dem Meer. Der Anblick der Riesenkrabben ist für mich als Landei etwas gewöhnungsbedürftig. Ich kenne diese Tiere zu diesem Zeitpunkt nicht einmal. Als ich Thierry frage, wie sie heißen, sagt er: „Araignée“ – das ist zu deutsch „Spinne“. Aha. Ich werde heute also eine Spinne auf dem Teller haben. Die Verwandtschaft ist in der Tat nicht zu übersehen. Sie schmecken mir. Und das auch noch hervorragend. Jedoch brauche ich eine ausführliche Anleitung, um an das begehrte Essbare zu gelangen. Mir fliegt auch ganz klassisch wie im Film beim Versuch, alles richtig zu machen irgendein Teil des Tieres quer durch die Kajüte. „Nicht schlimm.“, sagen die beiden nur grinsend.

Am nächsten Morgen gehe ich an Deck, das Wasser geht langsam zurück – Ebbe. Das ist dann die Zeit, die die Austernzüchter nutzen, um ihre Körbe mit den Austern zu platzieren und an den vorgesehenen Drahtgestellen zu befestigen. Die Boote, die sie verwenden, können sogar in oberschenkeltiefem Wasser noch fahren – voll beladen. Wir dagegen müssen in tieferes Fahrwasser, sonst wird das Boot aufsetzen und wir wären ein paar Stunden gefesselt. Wir schippern zu einer kleinen Insel im Bassin d’Arcachon und gehen darauf etwas spazieren Dort finde ich auch meine kleine Jakobsmuschel, die ich als Zeichen deute, doch dem Jakobsweg weiter zu folgen. Ich habe nun schon soviel über ihn gehört, jetzt will ich mir mein eigenes Bild machen. Und er liegt ja halbwegs auf meinem Weg.

Dann gehen Thierry und sein Freund wieder tauchen. Auch ich bekomme eine Taucherbrille und kurze Anweisungen, wie ich mich im Wasser bei der starken Strömung verhalten sollte, damit mich das aus der flachen Bucht abfließende Wasser nicht aufs offene Meer hinaus spült.

Es ist großartig! Ich schnorchele zwischen den Austernkörben umher und sehe Diskusfische und andere Tiere, die ich nicht kenne. Wenn ich mal zum Boot herüber schaue, erschrecke ich etwas. Die Strömung ist wirklich sehr stark und das Boot wird schnell immer kleiner. Anfangs noch etwas panisch schwimme ich schnell zur Insel, gehe der Strömung entgegen und springe wieder ins Wasser. So drehe ich ein paar Runden und kehre dann zum Boot zurück.

Thierry ist tauchsüchtig, er bleibt noch lange im Wasser. So entscheidet sein Kumpel, mir eine Segelstunde zu geben. Was für ein Gefühl. Ich stelle mich nach Angaben meiner Gastgeber nicht schlecht an und nach einer halben Stunde steuere ich den Kahn schon allein – aber vorerst nur mit einem Segel. Dann fahren wir aufs offene Meer hinaus und ich gebe das Steuer bereitwillig ab. Dieser Wellengang ist doch eher etwas für Leute mit Erfahrung. Auf der Rückfahrt zum Liegeplatz überlassen sie mir zeitweise wieder das Ruder. Es macht riesig Spaß. Schade, dass es schon vorbei ist. […]

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